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Monday, March 16, 2009

Pilzbefall im Mund - lästig und gefährlich

Pilzbefall im Mund - lästig und gefährlich
Ein Pilzbefall im Mund ist im Alter nicht selten, vor allem wenn die Betroffenen wenig essen und trinken und abwehrgeschwächt sind. Die Behandlung ist einfach, braucht aber Zeit und Regelmäßigkeit. Dieser Artikel informiert Sie über die Behandlung eines Mundsoors, aber auch über die prophylaktischen Maßnahmen.
Pilze kommen überall in der Umwelt vor. Sie benötigen organische Nährstoffe und meist Sauerstoff. Ansonsten sind sie anspruchslos und bevorzugen eine Temperatur zwischen 30 und 37 °C.
Candidosen sind Infektionen mit hefebildenden Pilzen (Hefepilz/Sprosspilz).
Pilze der Gattung Candida sind allgegenwärtig. Der bedeutendste dieser Art ist der Candida albicans, der bei den meisten Menschen zur physiologischen Keimflora von Haut und Schleimhäuten gehört.
Candidainfektionen haben deshalb meist einen endogenen Ursprung, d.h. sie gehen vom Betroffenen selbst aus.
Lokale Infektionen von Haut und Schleimhäuten werden auch als Soor bezeichnet. Befallen werden häufig Mund und Speiseröhre, Genitalbereich, Darm oder Hautfalten.
Die Ursachen einer Mundsoorinfektion sind vielfältig
Sie liegen in einer Abwehrschwäche des Betroffenen und/oder in einer Störung der physiologischen Keimflora der Mundschleimhaut.
Eine Abwehrschwäche liegt z.B. bei alten und multimorbiden Patienten, bei Patienten mit Tumorerkrankungen oder HIV-Infektion oder aufgrund der Einnahme von Immunsuppressiva, Glukokortikoiden und Zytostatika vor sowie bei Mangel- und Fehlernährung.
Werden aufgrund einer Antibiotikaeinnahme Bakterien abgetötet, kommt das physiologische Gleichgewicht zwischen Bakterien und Pilzen durcheinander. Die Pilze sind jetzt in der Lage, sich über die Maßen zu vermehren, und werden dann für den Menschen pathogen.
Fehlende Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme, Mundatmung, Erkrankungen im Mund- und Rachenraum und schlechte Mundhygiene sind weitere begünstigende Faktoren.
Bei einer hochgradigen Abwehrschwäche des Betroffenen können sich die Pilze weiter im Körper ausbreiten, z.B. auf Lunge, Herz, Nieren, Gehirn. Eine systemische Mykose (Soorsepsis) beginnt oft schleichend, kann aber einen lebensbedrohlichen Verlauf nehmen.
So erkennen Sie einen Mundsoor
Weißlich graue, fest haftende Beläge, die nach dem Abkratzen meist eine leicht blutende Wunde hinterlassen.
Häufig gerötete und geschwollene Mundschleimhaut als Zeichen einer Infektion.
Betroffene klagen über Geschmacksverlust, teilweise auch über Schmerzen oder Brennen oder ein pelziges Gefühl.
Mundgeruch fällt auf.
Bei einer Soor-Ösophagitis klagen die Betroffenen zusätzlich über
Schluckstörungen („trinken geht, aber das Essen rutscht nicht runter“),
Schmerzen hinter dem Brustbein,
gelegentliche Übelkeit und Erbrechen.
In der Regel ist das Erscheinungsbild des Soors so typisch, dass Sie ihn gut erkennen und eine Typisierung in einer Kultur nicht notwendig ist. Ist eine konsequente Therapie aber nach einer Woche nicht erfolgreich, sollten Sie einen Abstrich/eine Abschabung vorschlagen, um in einer Kultur den genauen Erreger oder gar eine Resistenz nachzuweisen.
Behandlung eines Mundsoors
Die Behandlung einer Candidose im Mund ist mit modernen Antimykotika meist unproblematisch. In der Regel wird man mit einer lokalen Therapie beginnen, nur bei hochgradiger Abwehrschwäche ist eine systemische Therapie (oral oder intravenös) angezeigt. Sie benötigen ein Mittel, mit dem Hefepilze abgetötet werden können.
Zur Auswahl stehen:
Schleimhautdesinfektionsmittel
Antimykotika
Schleimhautdesinfektionsmittel
Sie haben auch eine fungizide Wirkung und unterstützen deshalb die Pilzbehandlung. Die Wirkstoffe, die zum Einsatz kommen, sind Hexitidin (z.B. Herxoral®), Chlorhexitidin (z.B. Chlorhexamed®-Lösung) und Octenidin (Octenisept®-Lösung). Auch Polyvidon-Jod (z.B. Betaisodona®-Lösung) ist ein geeigneter Wirkstoff, empfiehlt sich aufgrund seiner braunen Farbe aber nicht.
Wenden Sie das Schleimhautdesinfektionsmittel nach Herstellerangaben an, in der Regel unverdünnt. Damit das Mittel wirken kann, muss die vorgegebene Einwirkzeit eingehalten werden. Bei Hexitidin und Chlorhexitidin sind das 30 Sekunden, bei Octenidin zwei Minuten. Optimal ist es, wenn der Patient während dieser Zeit den Mund mit dem Mittel spülen kann. Sie können ihn aber auch mehrmals mit Tupfern auswischen. Hexitidin und Chlorhexitidin werden vom Betroffenen manchmal als „scharf“ empfunden.
Antimykotika
Die klassischen Wirkstoffe zur lokalen Behandlung einer Candidose sind Nystatin (z.B. Moronal ®) und Amphotericin B (z.B. Ampho-Moronal®). Sie werden als Suspension, Mundgel oder Dragees/Tabletten zum Lutschen eingenommen. Die Anwendung muss nach Arztanordnung bzw. Herstellerangabe erfolgen. In der Regel ist eine viermalige Anwendung pro Tag sinnvoll und notwendig. Der günstigste Zeitpunkt ist nach den Mahlzeiten und abends vor dem Schlafen, immer nach einer gründlichen Mundhygiene. Sagen Sie dem Betroffenen, dass er danach 30 Minuten nichts essen und trinken soll, damit das Medikament möglichst lange auf der Mundschleimhaut verbleibt. Es kann bedenkenlos mit dem Speichel geschluckt werden, da beide Wirkstoffe im Magen-Darm-Trakt nicht resorbiert werden und deshalb auch gut verträglich sind. Gleichzeitig werden Darmpilze mitbehandelt.
Achten Sie darauf, dass die Pipette der Lösung beim Aufbringen des Mittels nicht kontaminiert wird.
Bei konsequenter Behandlung sollten die Symptome nach etwa einer Woche verschwunden sein, führen Sie die Behandlung zur Sicherheit aber noch drei Tage weiter.
Bedenken Sie bei der Behandlung eines Mundsoors, dass Zahnprothesen und Zahnbürsten ein Pilzreservoir darstellen. Der Patient sollte deshalb seine Prothese über Nacht in ein Schleimhautdesinfektionsmittel einlegen. Die Verwendung von Einmalzahnbürsten ist sinnvoll. Alternativ kann die Zahnbürste ebenfalls in ein Schleimhautdesinfektionsmittel eingelegt werden.
„Gute Mundpflege ist Soorprophylaxe!“
Die Pflegeziele der Soorprophylaxe sind:
saubere, intakte, feuchte, belagfreie Mundschleimhaut und saubere Zähne/Prothesen
angenehmer Geschmack und frischer Atem
Wohlbefinden
frühzeitige Erkennung von Veränderungen an Mundschleimhaut und Zunge
Wählen Sie die Maßnahmen aus den nachfolgenden Möglichkeiten individuell aus, denn nicht jede Maßnahme ist für jeden Pflegekunden geeignet:
Zähne/Zahnprothesen vor dem Frühstück und zur Nacht putzen.
Mund nach jeder Mahlzeit ausspülen lassen oder auswischen, denn Essensreste stellen einen guten Nährboden für Pilze dar. Sitzen die Prothesen recht locker, können sich darunter Essensreste ansammeln. In diesem Fall Prothesen nach dem Essen herausnehmen und abspülen.
Mundpflegelösungen nach Wunsch des Pflegekunden verwenden, z.B. klares Wasser, Früchte- oder Kräutertee, Wasser mit einem Schuss Odol® oder Zitrone.
Alle zwei bis drei Stunden etwas zu trinken anbieten oder den Mund feucht auswischen.
Bei trockener Mundschleimhaut sogenannten künstlichen Speichel (z.B. Glandosane®) anbieten.
Pflegekunden anbieten, dreimal täglich einen zuckerfreien Kaugummi zu kauen oder zuckerfreie Bonbons zu lutschen.
Bei jeder Mundpflege die Mundhöhle gründlich inspizieren, dazu ist es oft notwendig, eine Taschenlampe und einen Mundspatel zu benutzen.
Zur Anregung der Speichelsekretion: Ohrspeicheldrüse vor dem Ohr massieren oder Pflegekunden regelmäßig Kaubewegungen machen lassen.
Verfasserin: Christine Keller